Die Sache mit der ständigen Selbstoptimierung oder warum wir uns endlich trauen sollten, mittelmäßig zu sein

Höher, schneller, weiter... oder etwa doch nicht?

Obgleich mir in sämtlichen Feeds aktuell scheinbar ununterbrochen diverse Veröffentlichungen zum Thema "Selbstoptimierung" um die Ohren gehauen werden, habe ich die letzten Tage und Wochen dazu genutzt, mich zu fragen, wie perfekt wir eigentlich alle noch werden sollen. Klar, Corona hat uns - gewollt oder ungewollt - mit viel Zeit zum Nachdenken beschenkt und vielleicht hat dieser sehr besondere Abschnitt auch noch mal den einen oder anderen guten Vorsatz für das zweite Halbjahr 2020 hervor gebracht. Doch kommt dieser ganze Optimierungswahn wirklich aus unserem eigenen Inneren oder resultiert er doch eher daraus, dass wir uns alle endlich so fühlen wollen, wie all' die strahlenden Vorzeigemännlein und -weiblein, die immer topfit, super erfolgreich, gertenschlank und mega gut drauf sind? Und wem nützt dieser ganze Hype eigentlich? Uns selbst oder doch eher den Firmen, die hinter diesen perfekt inszenierten Auftritten stecken?

Im heutigen Blogpost beschäftige ich mich mit der Frage, ob wir Glück und Zufriedenheit wirklich kaufen können und ermutige dazu, hinsichtlich der ganzen übertriebenen Ansprüchen an uns selbst einen Cut zu machen...

 

Egal, welche der gängigen Webseiten ich täglich öffne, alles, was wir zu unserem "wahren" Glück brauchen, ist immer nur einen Klick entfernt: Kapseln, die sämtliche Nahrungsdefizite ausgleichen, Fitnessprogramme, die den perfekten Körper versprechen oder Online Seminare, die den geneigten Teilnehmer in kürzester Zeit zu einem ganz neuen Menschen machen. Ich rätsele dann jedes Mal, wieviele der Adressaten in solchen Momenten tatsächlich sofort die Kreditkarte zücken und Zack, fest davon überzeugt sind, damit nun endlich den Startschuss für ein neues, noch besseres, perfekteres Leben gegeben zu haben. Ebenso frage ich mich, ob ich eigentlich die Einzige bin, die mittlerweile - regelrecht gelangweilt von diesem ganzen Kram - sofort weiter scrollt bzw. sich stattdessen den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zuwendet.

 

Um einmal bei den oben genannten Beispielen zu bleiben: Was ist aus den Zeiten geworden, in denen uns eine ausgewogene Mahlzeit mit allem versorgt hat, was unser Körper braucht? Den Zeiten, in denen es absolut ok war, auch mal einen schlechten Tag zu haben? Und überhaupt... seit wann schreibt uns irgendjemand vor, welchem Ideal unser Körper zu folgen hat? Sind wir wirklich so dermaßen beeinflussbar, dass wir glauben, in der Umsetzung all' dieser oberflächlichen Maßnahmen unser Glück zu finden?

 

Ohne jetzt allzu analytisch an die ganze Sache heran zu gehen, sollten wir zwei ganz entscheidende Fragen nicht aus den Augen verlieren:

 

1. Werde ich mich - für den Fall, dass das (Werbe-)Versprechen xyz tatsächlich eintritt - wirklich besser oder glücklich fühlen? und (ganz wichtig!)

2. Wie lange wird dieses Gefühl schlussendlich anhalten?

 

Vielleicht hilft auch die Erkenntnis, dass wir bei diesem ganzen Selbstoptimierungs-Ding nicht mitmachen müssen. Uns zwingt nämlich zum Glück niemand dazu und es lohnt sich definitiv darüber nachzudenken, ob es nicht vielmehr darum gehen sollte, die eigenen Selbstzweifel zu hinterfragen und sich selbst genug zu sein?

 

Mir ist bewusst, dass man dieses sehr komplexe Thema nicht in zwei oder drei Absätzen komplett beleuchten kann, aber vielleicht seid Ihr selbst auch gerade gedanklich "nur einen Klick" von dem vermeintlich perfekten Ich entfernt und denkt kurz noch mal darüber nach, ob Ihr nicht so, wie Ihr jetzt seid, schon ziemlich nah dran seid an Eurem persönlichen Idealzustand. 

 

Also traut Euch NEIN zu sagen, die ganzen hoch gelobten Ideale loszulassen und stattdessen echt zu sein. Traut Euch, mittelmäßig zu sein - denn wahres Glück braucht keine Perfektion!

 

 

#youareenough

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra Jansen (Sonntag, 19 Juli 2020 21:51)

    Denise, vielen Dank dafür...
    das hast Du perfekt geschrieben!!!
    Liebe Grüße
    Sandra

  • #2

    Denise (Dienstag, 21 Juli 2020 13:22)

    Liebe Sandra, ich danke Dir! Das Thema liegt mir wirklich SEHR am Herzen und kann gar nicht oft genug betont werden <3