Ein Hoch auf die sozialen Medien

"Es ist eine Schwäche, es immer allen Menschen recht machen zu wollen." BÄM! Das hat gesessen. Seitdem dieser Satz gestern plötzlich in meinem Instagram Feed aufgetaucht ist, lässt er mich nicht mehr los. Und obwohl die von mir sehr geschätzte Verfasserin diesen Ausspruch mit jeder Faser ihres Wesens vorlebt, ist es noch einmal etwas ganz anderes ihn schwarz auf weiß zwischen Kaffee und Zähneputzen derart um die Ohren gehauen zu bekommen. Nach ein paar Wochen wie den letzten kann das eigentlich kein Zufall sein. Vielleicht ist es aber auch einfach nur das Zeichen, auf das ich insgeheim schon so lange gewartet habe, der berühmte längst überfällige Tritt in den Hintern.

 

 

Warum mich dieser Satz so getriggert hat? Weil ich nach gefühlt hundert Jahren Pandemie und einer bunten Mischung aus neuer "Normalität" und persönlichen Präferenzen immer wieder den Eindruck habe, dass man alles und jeden nur noch mit Samthandschuhen anfassen darf.

 

Zustimmend nickend an einer Diskussion über das aktuelle Weltgeschehen teilnehmen, obwohl man eigentlich vollkommen anderer Meinung ist? Kein Problem! Statt des so lang herbeigesehnten Massagetermins doch lieber der Schwiegermutter beim Streichen helfen? Na klar! Am freien Tag noch kurzfristig einen Auftrag annehmen, da es beim Kunden zeitlich gerade nicht anders passt? Sehr gerne! Und die seit Ewigkeiten geplante Verabredung vielleicht schnell noch mal umwerfen, damit sie nicht mit Event xyz kollidiert? Aber sicher!

 

Wo sind nur die guten alten Zeiten geblieben, in denen jeder selbst für die eigene Glückseligkeit verantwortlich war? Klar, die letzten beiden Jahre sind an den allermeisten nicht ganz spurlos vorüber gegangen und vielleicht wird es auch nie wieder genau so sein, wie es einmal war. Aber muss ich wirklich jeden einzelnen Wunsch erfüllen und es immer allen recht machen? Und überhaupt, warum macht es mir eigentlich niemand recht? Ist das vielleicht so ein Frauen-Dinge? Ein Gen, das dafür sorgt, dass um uns herum, in der Familie, im Job, im Freundeskreis immer alle wunschlos glücklich sein müssen?

 

Als ich in meinem ersten Leben noch in der Unternehmensberatung gearbeitet habe, folgten wir alle brav der Maxime "always walk in the customer's shoes". Aber was ist wenn ich mir in diesen Schuhen nur noch Blasen laufe? Mein Mann hat mir schon mehr als einmal gesagt, dass ich nicht jedes persönliche Problem immer zu meinem, sondern stattdessen einfach mein eigenes Ding machen soll. In der Konsequenz bedeutet dies natürlich auch, den Mut zu haben, hier und da mal anzuecken und die lieben Mitmenschen zu enttäuschen. Insofern sagt sich das immer so leicht...

 

Vielleicht ist dieses Instagram aber ja doch für irgendetwas gut. Ich habe mir auf jeden Fall noch flink einen Screenshot gemacht, der jetzt mein Handy-Display schmückt. Nur als kleine Erinnerung und für den nicht ganz unwahrscheinlichen Fall, dass ich wieder in Versuchung kommen sollte, schwach zu sein.

 

 

#putyourselffirst

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Kommentare: 6
  • #1

    Ralf (Donnerstag, 31 März 2022 18:25)

    Sehr gut so !!!
    Ich sag‘s ja immer wieder �
    IHDGDL

  • #2

    Denise (Donnerstag, 31 März 2022 18:43)

    @Ralf, Übung macht den Meister ;)

  • #3

    Sabine Winter (Donnerstag, 31 März 2022 19:06)

    Liebe Denise, hast du ein Problem, versuche es zu lösen. Wenn du es nicht lösen kannst, mach es nicht zu deinem Problem. Lernen, an der "richtigen" Stelle nein zu sagen :))

  • #4

    Denise (Donnerstag, 31 März 2022 22:23)

    @Sabine, das nehme ich mir gerne zu Herzen! Danke dafür…

  • #5

    Dani (Freitag, 01 April 2022 18:48)

    Das finde ich richtig gut!!
    … ich schneide mir eine Scheibe davon ab… ;0)
    Hdl

  • #6

    Denise (Freitag, 01 April 2022 20:27)

    @Dani, unbedingt <3